Woschkow hat wieder einen Dorfgraben

23.11.2018
Vorschaubild : Woschkow hat wieder einen Dorfgraben
Das Dorf Woschkow liegt an einer Wasserscheide. Regenwasser läuft von einer Anhöhe entweder nach Altdöbern oder durch Woschkow in Richtung Spree. Die Woschkower legten Gräben an, um ihre Häuser, Höfe und Gärten zu schützen. Bis weit in die 60er Jahre führten diese Gräben Wasser und wurden gut gepflegt. Durch den Tagebau sank der Grundwasserspiegel, die Gräben fielen trocken und wurden für mehrere Tagebaugroßgerätetransporte verfüllt und nie wieder geöffnet. So stand Woschkow 2006 nach Starkregen und Tauwetter komplett unter Wasser. Seitdem suchten die damalige Ortsvorsteherin Helga Gunschera und Bürgermeister Thomas Zenker nach einer Möglichkeit, die Gräben wieder herzustellen. Nun ist das Jahrzehnteprojekt geglückt.
 
Am 23.11.18 wurde der 1120 Meter lange Woschkower Dorfgraben als echtes Gemeinschaftsobjekt offiziell übergeben. Über 200.000 Euro hat der Bergbausanierer LMBV dem Wasser- und Bodenverband „Oberland Calau“ für die Baumaßnahme gezahlt. Dieser wird diesen Graben wie alle Gewässer 2. Ordnung im Verbandsgebiet zwar in Zukunft einmal jährlich pflegen, kann aber keine Investitionen vornehmen. Die Landwirtschaftsbetrieb Ressen-Lindchen GmbH hat die in der Zwischenzeit landwirtschaftlich genutzten Flächen für die Grabenöffnung freigegeben. Die Stadt Großräschen ihrerseits hat den Regenwasserkanal im Dorfanger für 50.000 € ertüchtigt.
 
Der Dorfgraben erstreckt sich von Woschkow quer über den Acker bis hin zur Feldflur an der Landesstraße. Geschäftsführer Martin Schultze vom Landwirtschaftsbetrieb Ressen-Lindchen hat jetzt viel mehr Aufwand, um sein Feld zu bewirtschaften: „Wir haben Großräschen und Woschkow bei diesem Projekt trotzdem gern unterstützt. Uns hat beeindruckt, wie hier auch für die Ortsteile mit dem gleichen Herzblut und der gleichen Leidenschaft gekämpft wird, wie für die Kernstadt.“
In den Graben wurden drei Durchfahrten für die Landwirtschaftstechnik integriert, trotzdem braucht es viel Geschick und Abstand, um den Graben beim Pflügen nicht zu beschädigen.
 
Helga Gunschera und Ulrich Dittmann werden hin und wieder ein offenes Auge auf den Zustand des Grabens haben. Besonders im Herbst, wenn sich Laub in allen Senken ansammelt und damit auch Gräben bedroht. Frau Gunschera hat sich vorgenommen die 120 Woschkower für ihren neuen Dorfgraben zu begeistern, vielleicht mit einer Taufe und meint: „Woschkower Vorfluter klingt gut.“
 
Bürgermeister Thomas Zenker: „Niederschlagsentwässerung ist teuer und ein wenig beliebtes Thema, dessen Notwendigkeit oft erst im Schadensfall erkannt wird. Der Planer und Entwässerungsspezialist Herr Niegel war bei der Lösungsfindung in Woschkow ein Glücksfall. Gemeinsam erarbeiten wir auch ein Niederschlagsbeseitigungskonzept für Wormlage, welches wir am 15. November erstmals in einer Versammlung vorgestellt haben. Wormlage liegt im hydrologisch interessanten Luggebiet, welches kaum wasserdurchlässige Erdschichten aufweist. Hier sind schon 1847 die ersten Entwässerungsgräben entstanden. Die verschiedenen Maßnahmen der letzten 170 Jahre haben wir in einer Gräbenstudie erfasst. In Wormlage hat Großräschen bereits 2015 investiert, 100.000 Euro in einen akut notwendigen Sickerfiltergraben zur Entwässerung des Siedlungsweges. Es werden aber noch weitere Maßnahmen nötig sein, um für das bebaute Siedlungsgebiet geordnete Verhältnisse zu schaffen.“
 
 

Foto: Presserundgang zum Graben am Radweg

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